Gegenwind Raven e.V.

Sind Windkraftanlagen „Zerlegebetriebe“ für Vögel und Fledermäuse?

 

Die Diskussion über den Vogelschutz im Bereich der WKA ist eingeschlafen, da mittlerweile auch in den  Naturschutzverbänden  viele Windkraftlobbyisten zu finden sind.“Wegen drei toter Fledermäuse auf die Energiewende verzichten und wieder AKW bauen?" sind die törichten Kommentare angeblicher Naturschützer, die immer noch nicht wahrhaben wollen, dass die AKW so gut wie abgeschafft sind und nur noch ein kleiner verzichtbarer Teil am Netz hängt. Nicht der Gedanke an Umweltverträglichkeit nährt die Einstellung vermeintlicher Sorglosigkeit, sondern, so scheint es zumindest,  der Gedanke an eine gut gefüllte Brieftasche. Warum nicht endlich auch mal was verdienen, nach der ganzen langen Zeit des Widerstandes? Der scheint gebrochen zu sein, die alten Kämpfer sind nicht nur müde geworden, sie kollaborieren immer häufiger. Es gab Zeiten, da hatte eine tote Taube auf einem AKW-Dach Gründe geliefert, Flächenbrände auszulösen. Zahlenvergleiche  auf Basis derart bornierte Sachlichkeit führen hier aber zu peinlichen Fehleinschätzungen.
Lassen wir mal beide Seiten zu Wort kommen:

Meinung A

“Nach Schätzungen von Biologen werden von den bereits vorhandenen deutschen Windenergieanlagen etwa 220 000 Vögel im Jahr zerhackt” behaupten Maxeiner und Miersch in der Achse des Guten. Worauf basiert diese Aussage? Es gab einen Biologen der gesagt hat, dass jede Anlage 10 Vögel zerhackt. Bei 22.000 Anlagen wären dies tatsächlich 220.000. Aber dies war nur eine einzelne Schätzung einer einzelnen Person, die Zahl wurde niemals genannt.
Die Fakten sehen anders aus: Der BUND rechnet mit durchschnittlich 0,5 toten Vögeln pro (Wind)-Anlage und Jahr, derzeit also statistisch rund 8.000 jährlich. Jeweils ca. 5–10 Millionen Vögel sterben im Straßenverkehr und an Hochspannungsmasten pro Jahr in Deutschland. In den USA kommen 60 bis 80 Millionen Vögel jährlich durch Fahrzeuge und 10-40.000 durch Windanlagen um. Um Vögel vor dem Aussterben zu retten  wäre es also eher notwendig, den Autoverkehr einzuschränken.

Meinung B

Tobias Dürr, seit 20 Jahren staatlicher Vogelschutzwart in Brandenburg, stellte Zwischenergebnisse einer seit 2002 laufenden Studie zum Thema Vogelschlag an Windrädern vor.
„Es gibt Arten, etwa Kraniche und verschiedene Gänse, die den Rädern ausweichen. Viele andere zeigen dieses Verhalten jedoch nicht“, befand Dürr.
Drei, vier Seeadler finden Vogelschützer im Jahr direkt unter den Windrädern in Schleswig-Holstein. „Insgesamt fallen jährlich acht bis zehn Tiere den Windkraftanlagen zum Opfer. Das ist bei 63 Paaren im vergangenen Jahr ein hoher Verlust“, erklärte Bernd Struwe-Juhl, Geschäftsführer der Projektgruppe Seeadlerschutz, anlässlich eines Besuches von Umweltministerin Juliane Rumpf an der Seeadler- Beobachtungsstation in Rathjensdorf bei Plön. (kn, 2010)
In Sachsen - Anhalt waren es bisher  54 Seeadler  und 138 Rotmilane.
„Das, was man findet, ist nicht unbedingt das, was verunglückt ist, weil vor allem kleinere Tiere in vielen Fällen sofort von irgendwelchen Aasfressern weggetragen werden. Das geht rasend schnell“, erklärt der Ornithologe

Einschätzung von Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut vom Naturschutzbund Deutschland (NABU):
"Der aus dem Amsterdamer Zoo stammende Pelikan, der sich nach Rheinland-Pfalz verirrt hatte, ist von einer Windkraftanlage zerteilt worden“, berichtet die Bildzeitung. Der Biologe Hermann Hötker vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) schätzt, dass für jedes Windrad in Deutschland bis zu zehn Vögel im Jahr ihr Leben lassen müssen. Also bei 22 000 deutschen Anlagen wären dies ca. 220 000 Vögel. Man stelle sich vor, im Umkreis der deutschen Atomkraftwerke würden so viele tote Tiere aufgefunden. Wie wäre da wohl die Reaktion in der Öffentlichkeit?
Brandenburg Naturschutzbund
In die Erhebung seien 138 Anlagen im ganzen Land eingeflossen, an denen im Laufe der zehn Jahre insgesamt 212 Fledermäuse gefunden wurden. An 148 Anlagen habe man in dieser Zeit 133 tote Vögel entdeckt. Eine auf den ersten Blick geringe Zahl, doch für Tobias Dürr ist das nur die Spitze des Eisberges.
Rechne man diese Zahl auf alle 3300 Windkraftanlagen im Land hoch, fänden jedes Jahr etwa 15 000 Fledermäuse und 12 500 Vögel durch diese Räder den Tod. In die statistisch verwertbaren Zahlen, mit denen die Durchschnittswerte und Hochrechnungen für alle Anlagen ermittelt wurden, flossen nur Räder ein, die mindestens 50mal in diesen zehn Jahren abgesucht wurden. Weitere Kriterien, die in die Berechnungen einflossen, sind wissenschaftlich ermittelte Korrekturfaktoren wie die Effizienz der Suchenden: Nur 30 Prozent der zur Probe ausgelegten Kadaver wurden wirklich gefunden. Ein gewisser Anteil der Kadaver werde von Füchsen und anderen Räubern geholt. Mitunter pflügen Bauern die toten Tiere unwissentlich unter, was in der Statistik berücksichtigt werden müsse.

Meine Meinung:

Der erste Eindruck gibt  keinen besonderen Anlass zur Panik. Auf den zweiten Blick sehen wir aber, dass bereits jetzt Bestände an Rotmilan, Seeadler, Störchen und anderen seltenen Greifvögeln  durch WKA gefährdet werden.  Ich schließe mich zudem der Meinung anderer unabhängiger  Naturschützer an, die Folgendes sagen:  Wenn ein kleiner Vogel oder eine Fledermaus von einem Rotor mit 350 Km/h getroffen wird, wird nicht mehr viel“ am Stück“ bleiben,  geschweige denn  auffindbar. Zudem werden die Teile ein paar hundert  Meter wegkatapultiert. Was erkennbar übrigbleibt ist nach sehr kurzer Zeit durch kleinere Raubtiere,  Aasfresser und Greifvögel  entsorgt. Untersuchungen mit ausgelegten Küken, die zum Teil noch versteckt wurden, zeigten, dass bereits wenige Stunden später ein großer Teil verschwunden war. Es ist davon auszugehen, dass  in Gebieten mit einem hohen Vogelsterben sich sehr schnell auch die  Entsorger einrichten.  
Der BUND untermauert seine Untersuchungen damit, in 10 Jahren an einzelnen WKA mindesten 50  Untersuchungen durchgeführt zu haben, 5mal im Jahr. Aber wo will man etwas finden?  In der Zeit der höchsten Vogeldichte werden die Flächen unter den WKA  landwirtschaftlich genutzt. Die Felder werden gepflügt, die Wiesen gemäht.  Wie will man auf einer Fläche von ca. 10ha zuverlässig Vogelreste finden und dann auch noch der WKA zuordnen?  Es gibt Meinungen, die die Vogelsterblichkeit über 100mal höher ansehen.
Ich kann das erst einmal nur so hinnehmen. Ich weiß aber, dass künftige Rotorflächen mit über 15.000m² (ein mehr als 2 Fußballfelder großes Hindernis)  jeden einfliegende Vogel und auch die, die durch den immensen Unterdruck angezogen werden, unauffindbar wegschleudern werden.
Dann werden also keine Vögel mehr an WKA sterben – oder?                                             (Dirk Rahe)


Ein sehr interessanter und ausführlicher Artikel dazu: 
http://bls-landschaftsschutz.de/Vogelkiller-Strom.pdf
Windräder töten Vögel und Fledermäuse, bringen Unfrieden ins Land,
machen den Strom teurer und schaden der Wirtschaft.
Von Dr. Friedrich Buer / 03.2012

 

 

 

 

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Zuletzt bearbeitet: 2015-06-22, 19:44

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